Kritik
Newsletter im Vergleich
Was macht einen gut gemachten Newsletter aus? Eine Antwort darauf lautet: Dass der Nutzer das bekommt, was er erwartet.
Verglichen werden im Folgenden die Newsletter der ZDF-Sendung „Wiso“, des Spiegel-Online, des Bayerischen Journalistenverbands (BJV), der Digital-Redaktion von Focus-Online sowie der Akademie Berufliche Bildung der deutschen Zeitungsverlage (ABZV). Die Kritik der Newsletter findet unter dem Aspekt der Nutzer-Freundlichkeit statt. Sprich: Erfüllt das Angebot die Erwartungen dessen, der ihn abonniert hat?
Verfährt man so, müsste meiner Meinung nach der Wiso-Newsletter am schlechtesten abschneiden. Der Grund: Er ist weniger eine Newsletter als vielmehr eine Werbemail, die der Nutzer, hätte er ihn nicht abonniert, vermutlich als Spam-Mail einstufen und ungesehen löschen würde. Ein weiterer Minuspunkt ist hier die Absender-Adresse, in der weder „Wiso“ noch „ZDF“ auftauchen. Zusätzlich peinlich für den Newsletter aus einer öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt ist die Bauernfängerei mit dem „Extra-Bonus“.
Ebenfalls schlecht abschneiden tut beim Vergleich der fünf Newsletter derjenige von Spiegel-Online. Der Hauptgrund: Für einen täglichen Newsletter ist er viel zu umfangreich. Um sich schnell über das Geschehen des Tages zu informieren, ist der um 17 Uhr gesendete Newsletter zu unübersichtlich und mit zu viel Ballast bepackt. Der Nutzer eines Nachrichtenservices braucht das nicht. Das Sport-Wissens-Quiz, die Ressorts Auto, Reise, Wissenschaft und Eines Tages, hätten die Macher besser weggelassen. Sinnvoller wäre es gewesen, sich auf die wichtigsten Tagesmeldungen aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Panorama zu beschränken. Diese hätten gewichtet und danach in eine Reihenfolge gebracht werden können. Das würde Orientierung geben. Angesichts seiner Länge hätte dem Spiegel-Online-Newsletter zudem auch Bilder oder Grafiken gut getan.
Besser wird es bei dem BJV-Newsletter. Zwar wird auch bei ihm am Absender nicht klar, von wem er kommt aber im Email-Body liest man stichpunktartig, um was es in ihm geht. Wenn es den Nutzer interessiert, kann er das Pdf öffnen – oder es sein lassen. Über den Vor- und Nachteile der Pdf-Lösung, hatten wir bei unserem Seminar-Wochenende gesprochen. In diesem Fall überwiegt der Vorteil, dass der Newsletter leicht zu archivieren ist. Nutzerfreundlich ist auch, dass ein Link angegeben ist, über den bei Bedarf die Software zum Betrachten des Pdfs geladen werden kann. Auch die weiterführenden Links sowie der Termin-Service sprechen für das BJV-Angebot.
Einen sehr guten Eindruck macht der Newsletter von Focus-Online. Dies allein schon aus dem Grund, da er sich auf ein Ressort beschränkt. Das hat zwar den Nachteil, dass man bei Bedarf mehrere Newsletter aus der Focus-Online-Redaktion abonnieren muss, steht aber auch für Klarheit. Der Bezieher des Newsletter weiß, dass er genau das bekommt, was er will und nicht einen ermüdenden Rundumschlag a la Spiegel-Online. Ein weiteres Plus ist, dass die Beiträge Teaser haben, die knapp über die Inhalte informieren und über die der Leser weitergeleitet wird. Der Nutzer kann sich so schnell einen Überblick verschaffen. Schön ist auch, dass der oberste Beitrag optisch abgesetzt ist und er so zum Aufmacher wird. Diese hierarchische Struktur schafft zusätzliche Klarheit. Schließlich fällt noch positiv auf, dass jeder Textbeitrag mit einem Bild versehen wurde. Das lockert den Newsletter optisch auf und macht es möglich, ihn schnell zu lesen.
Meiner Ansicht der beste Newsletter kommt vom ABZV. Wie der Spiegel-Online-Newsletter ist auch er sehr umfangreich. Da es sich hierbei aber um eine monatlichen Service handelt, ist die Länge gerechtfertigt. Schön ist auch, dass schon auf seiner ersten Seite ein Inhaltsverzeichnis steht, über das der Nutzer direkt auf ein Thema navigieren kann. Im Gegensatz zu Spiegel-Online wird der Nutzer hier an der Hand genommen und er muss sich nicht erst durch den gesamten Newsletter hinabscrollen, um vielleicht etwas zu finden, das ihn interessiert. In den Texten finden sich auch immer wieder Links, die zu mehr Informationen führen. Trotz seines Umfangs wird der Newsletter daher dem horizontalen wie auch dem vertikalen Leser gerecht. In anderer Form ist das auch beim Newsletter des BJV und des Focus-Online-Ressorts „Digital“ so. Zwar hätte man beim ABZV auch mehr mit Bildern arbeiten können, doch ihr Fehlen stört nicht. Grund sind die optisch voneinander abgesetzten Formen wie Meldung, Seminar-Tipps, Zitiert et cetera. Zusätzlich gibt es noch einen Comic zur Auflockerung. Das Leser-Echo bringt es auf den Punkt: Dieser Newsletter schafft es, seine Nutzer mit einer informativen Mischung obendrein auch noch zu unterhalten. Dass man ihn als Pdf ablegen kann, kommt dem Format ebenfalls sehr zugute. Der Nutzwert stimmt.
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