Dienstag, 5. Februar 2008

Nichts los im Diskussionsforum

Wertvolle Mitarbeiter fühlen sich bei ihrer Arbeit allein gelassen, und „Mark Restall’s Volunteering Blog“ sollte diese Lücke füllen helfen. Sollte – denn die Zahl der täglichen Visits ist noch nach einem Jahr meist nur im einstelligen Bereich.

Die Inhalte
(Sorry, aber wie man diese seiteninternen Links macht, habe ich bis zum Abgabetermin nicht gelernt.)

- Warum habe ich dieses Blog ausgewählt?
- Wer steht hinter dem Blog?
- Für welche Zielgruppe schreibt der Blogger und welche Ziele verfolgt er?

- Welche Inhalte bietet das Blog und wie werden sie dargeboten?

- Welche sonstigen Charakteristika hat das Blog?

- Und trotz allem nur geringes Interesse?
- Wo könnten die Probleme liegen?


Warum habe ich dieses Blog ausgewählt?

Um es gleich zu sagen: Dieses Blog ( www.volunteeringengland.blogspot.com ) ist ein Zufallsfund aus einer Zeit, in der ich noch nicht einmal wusste, was ein Blog ist, geschweige denn gezielt nach einem gesucht hätte. Es ist also nicht als Beispiel für besonders gute oder schlechte Blogger-Arbeit ausgewählt, sondern ist einfach das erste Blog, das ich bewusst als solches wahrgenommen habe. Es tauchte auf, als ich mal sehen wollte, wie man in Großbritannien das Thema Freiwilligen-Arbeit diskutiert.

Für die Zielgruppe „Lehrgang Crossmedialer Journalismus“ könnte der Zufallsfund aber durchaus interessant sein, weil hier ein Kommunikationsprofi mit dem klassischen Handwerkszeug von Journalismus und PR, soliden Kenntnissen seines Themas und einem konkreten Ziel ans Werk geht und es trotzdem nicht schafft, ein Blog mit Erfolg zu betreiben (jedenfalls gemessen in Zugriffszahlen).

Wer steht hinter dem Blog?
Mark Restall ist Leiter der Abteilung Information und Öffentlichkeitsarbeit bei Volunteering England, einer unabhängigen Freiwilligenagentur, die sich für die nationale Entwicklung der Freiwilligenarbeit in England einsetzt (befasst sich vor allem mit dem Bild der Freiwilligenarbeit in Öffentlichkeit und dem Stellenwert in der Politik, veröffentlicht Publikationen und Arbeitsmaterialien zu Management, „Good Practice“ und rechtlichen Aspekten der Freiwilligenarbeit, betreibt lokale Vermittlungsagenturen, vergibt auch Gelder und betreibt eigene Forschung.) Wie der Autor in einem seiner Einträge schreibt, ist er selbst seit vielen Jahren und auch heute noch in verschiedenen Positionen ehrenamtlich tätig.

Angenehm, dass der Autor gleich sagt, wer er ist: Er stellt seinem Blog eine kurze, aber durch fette Schrift und farbige Unterlegung deutlich hervorgehobene Anmerkung voran (die übrigens am Kopf jeder Seite zu finden ist), aus der seine Position und Zielsetzung hervorgehen. Man erfährt auch, dass das Blog von seinem Arbeitgeber unterstützt wird, der Autor aber seine persönlichen Ansichten darlegt und diese nicht mit den offiziellen Ansichten von Volunteering England übereinstimmen müssen. Er kündigt in seinem ersten Eintrag sogar an, von Fall zu Fall bewusst einen ganz anderen Standpunkt einzunehmen.

Für welche Zielgruppe schreibt der Blogger und welche Ziele verfolgt er?
Einen wesentlichen Beweggrund, dieses Blog einzurichten, nennt Restall in seiner einleitenden Anmerkung, dass Freiwilligenarbeit und ihr Management seiner Ansicht nach nicht genügend diskutiert werden, und zwar auch unter den Beteiligten selbst nicht. Dass diese großen Bedarf für einem Austausch über drängende Fragen und praktische Probleme haben, erlebt er (wie er in seinem ersten Eintrag sagt) bei seinen zahlreichen Vorträgen und Workshops immer wieder. Mit seinem monothematischen Blog will er dazu beitragen, diese Lücke zu füllen.

Zahlen zum Umfang der Freiwilligenarbeit in Großbritannien habe ich nicht parat (gibt es aber wahrscheinlich irgendwo bei Volunteering England), doch leisten dort sicher mehrere Millionen Menschen eine solche Arbeit in organisierter Form. Entsprechend viele dürften als Angestellte bei den Organisationen oder auch als Freiwillige eine Leitungsfunktion haben. Die Zielgruppe ist also wahrscheinlich trotz des speziellen Themas nicht ganz klein.

Auch ist anzunehmen, dass ein Blog mit verlässlichen Informationen zum Thema für den einen oder anderen Journalisten oder Politiker interessant sein dürfte. Immerhin scheint Freiwilligenarbeit in Großbritannien teilweise als Allheilmittel für eine Reihe schwieriger Probleme - von Jugendgewalt über Arbeitslosigkeit bis zur Altersdepression - gesehen zu werden und ist in der politischen Diskussion entsprechend präsent.

Den genannten Zielgruppen entsprechen auch Zugangsmöglichkeiten zum Blog: Er erscheint als Menüpunkt auf der Volunteering-England-Website, wird aber (wenn das Thema passt) gelegentlich auch auf Presseinformationen der Organisation angegeben.

Welche Inhalte bietet das Blog und wie werden sie dargeboten?
In diesem Blog findet man ausschließlich Einträge zu unterschiedlichen Aspekten eines einzigen Fachthemas, der Freiwilligenarbeit. Häufig geht es um aktuelle Themen der politischen Diskussion, der Arbeit von Kommissionen und der Gesetzgebung. Einige weitere Beispiele aus dem Themenspektrum:

- Wie viel Aufwand für Arbeitssicherheit ist gerechtfertigt (vor dem Hintergrund häufiger Schadenersatzprozesse), und wann kann man vor lauter Sicherheitsmaßnahmen nicht mehr arbeiten?
- Bereits eingeplante finanzielle Mittel wurden drastisch gekürzt – was nun?.
- Auf dem Papier gilt für Behinderte Gleichbehandlung, aber in der Praxis stoßen viele immer noch auf Probleme.
- Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass Arbeitslose ihre staatliche Unterstützung verlieren, wenn sie ehrenamtlich tätig werden. Das ist zwar falsch, hält aber viele Leute von der Freiwilligenarbeit ab.
- Ein „Freiwilliger“ hat Geld aus der Kasse seines Charity-Shops mitgehen lassen, und die Medien haben sich auf das Thema gestürzt. Ist jetzt der Ruf des ganzen Sektors in Gefahr?
- Ist es eigentlich in Ordnung, wenn jemand die Arbeit in erster Linie deshalb macht, um seinen Lebenslauf damit aufzupolieren?

Bei den Beiträgen handelt es sich zum Teil um Kommentare, die lediglich etwa lockerer formuliert sind. (Ich meine, ich hätte Ähnliches vom gleichen Autor schon einmal in einer Tageszeitung gelesen, kann mich aber nicht mehr erinnern, wo...) Zum Teil sind es blogtypische Einträge mit persönlichem Charakter, etwa zu ungewöhnlichen Anfragen, die Restall zu bearbeiten hatte, oder die Anmerkung, er melde sich aus dem Weihnachtsurlaub.

Zu wesentlichen Quellen führen Links im Text.

Welche sonstigen Charakteristika hat das Blog?

Hier eine kurze Zusammenstellung von Eigenschaften, die sonst noch interessant sein könnten:

- erstellt über Blogger.com im Standard-Layout;
- beginnt im Oktober 2006 und ist bis jetzt kontinuierlich aktiv;
- weist mittlerweile 28 Einträge auf, von denen im einem Monat 1-4 eingestellt wurden;
- gibt nach jedem Eintrag die Möglichkeit zum Kommentar;
- enthält in der rechten Spalte oben gibt es den Standard-Menüpunkt „About me“, der aber keine zusätzlichen Informationen bietet;
- gibt darunter zehn Links: einer zu Volunteering England, drei zu Themen aus dem Bereich Arbeitssicherheit und „Good Practice“, vier zu anderen Blogs aus dem gleichen Themenbereich. Die Links zu Freiwilligenagenturen und zu einer juristischen Website funktionieren nicht.
- Archiv mit älteren Einträgen nach Erscheinungsmonat, chronologisch geordnet und nicht gegenchronologisch wie die neueren Einträge. Bestimmte Themen kann man nur nach Stichwort suchen.
- eine Seitennutzungsstatistik mit Visits und Page Impressions pro Tag, in der laufenden Woche und insgesamt.

Und trotz allem nur geringes Interesse?
Man darf annehmen, dass Mark Restall kein wirkliches Massenpublikum mit seinem Blog ansprechen wollte, dafür ist sein Thema zu speziell. Mehr als durchschnittlich 8 Visits und 17 Page Impressions dürfte er angesichts der hohem Zahl an Freiwilligen und im Management der Freiwilligenarbeit Tätigen doch angepeilt haben. Die Kommentare kommen zwar zum großen Teil aus der engeren Zielgruppe, sind positiv und teilweise ausführlich, aber es sind nur wenige von noch weniger Kommentatoren. Als Instrument zur Kommunikation mit seiner Zielgruppe ist das Blog zumindest bisher eindeutig kein Erfolg, es wird auch nach mehr als einem Jahr nur schwach genutzt.

Wo könnten die Probleme liegen?
Fragt sich, wie sich ein Erfolg daraus machen ließe. Hier nur ein paar Gedanken eines „Fachfremden“ und absoluten Blog-Neulings:

- Ob die Mischung und Aufbereitung der Themen der Zielgruppe wirklich zusagt, müsste der Blogger verhältnismäßig leicht herausfinden können und sein Blog gegebenenfalls ändern – er ist ja nahe an seiner Zielgruppe und könnte auch die anderen Medien von Volunteering England nutzen. Mag sein, dass das Ganze doch nicht nah genug an der Praxis ist...
- Vielleicht liegt es aber auch daran, dass Bloggen besonderen Regeln folgt. Dass sich so wenig Neues tut und man nach ein oder zwei Wochen immer noch den gleichen Eintrag als den aktuellsten angeboten bekommt, finde ich jedenfalls frustrierend. Wurde hier der Aufwand unterschätzt? Sicher gäbe es noch KollegInnen, die auch mal etwas schreiben könnten, das würde gleichzeitig das Spektrum der behandelten Themen erweitern.
- Geringe Zugriffszahlen sind offensichtlich ein allgemeines Problem von Blogs. „Handbücher“ wie http://www.krusenstern.ch/p881.html gehen darauf ein darauf ein verraten, wie man sein Blog bekannt macht. Wahrscheinlich ist es wichtig, diese Hinweise zu beachten.

Sieht also ganz so aus, als müsse auch ein Kommunikationsprofi die Gesetzmäßigkeiten und Anforderungen des Bloggens erst mal lernen. Also: nicht aufgeben!

1 Kommentar:

optimistischer-otto hat gesagt…

Hallo Christian,

bin wie du ebenfalls ein Blog-Neuling. Ein wesentlicher Sinn von Blogs scheint mir die Möglichkeit, Beiträge anderer zu kommentieren und darauf ggf. wiederum eine Rückmeldung zu erhalten. Auf eigene Texte ein Feedback zu bekommen z. B. hinsichtlich Verständlichkeit, Stil, Ausführlichkeit, ist sicherlich auch recht nützlich. In diesem Sinne möchte ich dir ein kurzes Feedback geben.

Ich denke, dass dein Beitrag gewinnen würde, wenn du ihn wesentlich kürzer halten würdest. Indem du dich mehr auf Fakten konzentrierst und dich mit allgemeinen Überlegungen zurückhälst, ist das leicht möglich. Mir kommt dein Text etwas langatmig vor. Vielleicht hättest du darauf verzichten können, an den Anfang die ausführlichen Frage zu stellen. Das eigentlich Wichtig, sind doch die Antworten. Stattdessen solltest am Anfang hervorheben, dass es sich (wahrscheinlich) um einen Blog in Englisch handelt. Diejenigen, die keine englischen Seiten lesen können oder wollen, bräuchten dann gar nicht erst weiterlesen.